Interview: Nationalrat Philipp Müller

Das Interview mit Nationalrat Philipp Müller können Sie sich hier als Video ansehen.

4 Fragen an Philipp Müller

2000-Watt-Gesellschaft: Utopie oder bald Realität?
Ich befürchte, dass diese Zahl für längere Zeit ein schöner Traum bleiben wird. Erst wenn Energie massiv teurer wird, lohnt es sich, entsprechende Sparmassnahmen zu ergreifen.

Die Energie mit dem grössten Zukunftspotenzial?
Geothermie ist für mich eine besonders faszinierende Option. Im Erdinnern ist Wärme im Überfluss vorhanden. Wieso sollte man das nicht nutzen können?

Ihre grösste Umweltsünde?

Mit Sicherheit Autofahren. Reinach-Bern mit dem öffentlichen Verkehr ist mir einfach zu mühsam.

Was wünschen Sie sich für die Energiezukunft Ihrer Kinder?
Energieneutrale Häuser, sparsame, effiziente Fahrzeuge und einen möglichst breiten Mix an erneuerbaren Energien.

Philipp Müller, geboren am 5. September 1952, verheiratet, drei Kinder, von Beruf Generalbauunternehmer

Sei schlau beim Bau

Seit vielen Jahren setzt sich Nationalrat Philipp Müller für eine energetische Sanierung des zunehmend überalterten schweizerischen Gebäudebestands ein. Bestes Beispiel für den sparsamen Umgang mit Energie: das herrschaftliche Einfamilienhaus des Vorzeigepolitikers in Reinach AG.

Ein beheizter Swimming-Pool mitten im Garten. Da wird doch mit Sicherheit jede Menge Energie verschleudert? Philipp Müller lacht: "Ich kann alle Öko-Freaks beruhigen: Dank der Solarabdeckung brauchen wir für das Beheizen des Pools absolut keine Fremdenergie. Im Gegenteil: Im Sommer müssen wir aufpassen, dass das Wasser nicht zu heiss wird."

Ein Blick zurück: Im Jahr 2006 wurden in der Schweiz gut 40 Milliarden kWh Energie für das Heizen von Wohnbauten verwendet. Die dafür benötigte Energie stammte mit rund 94 Prozent fast ausschliesslich von fossilen Brennstoffen, während nur gerade 6 Prozent durch Strom erzeugt wurden. Setzen wir nun den Verbrauch für die Heizung unserer Gebäude ins Verhältnis zur Energieproduktion sämtlicher Schweizer Kernkraftwerke, erkennen wir die gewaltigen Dimensionen. Der Raumwärmeverbrauch im Jahr 2006 entspricht rund der doppelten Menge an Energie, die sämtliche KKWs in der Schweiz produzieren.

Riesiges Sparpotenzial

Doch lässt sich der Pfad der Energieverschleuderung überhaupt verlassen? Philipp Müller nickt: "Allein zwischen 1990 und 2000 ist der Anteil von alten, renovierungsbedürftigen Wohnungen von einer Million auf 1,5 Millionen angestiegen. Dies bei einem Gesamtbestand von 3,7 Millionen Wohneinheiten. Gegen die Hälfte aller Wohnungen in der Schweiz haben also heute eine Sanierung nötig. Anders ausgedrückt: Allein durch energetische Sanierungsmassnahmen liessen sich problemlos 20 Prozent der gesamten benötigten Heizenergie einsparen!" Zahlen, in denen Müller eine riesige Herausforderung sieht. Denn: "Aktuell sanieren wir jährlich ca. 100'000 Wohnungen. Doch erst bei 200'000 Sanierungen stoppen wir die Überalterung des Gebäudeparks und erst ab 300'000 sanierten Wohnungen bauen wir den Renovationsstau messbar ab."

Das grösste Energiesparpotenzial ortet der Inhaber einer Generalbauunternehmung dabei im Bereich der Raumwärme. "Bauten, deren Unterhalt vernachlässigt wird, brauchen wesentlich mehr Energie als renovierte oder neu errichtetete Gebäude. Im Zeichen der aktuellen CO2-Diskussion sowie des sich abzeichnenden Energiemangels ist es geradezu grobfahrlässig, ein derart riesiges Energiesparpotenzial nicht auszuschöpfen. Zudem können wir, rein ökonomisch betrachtet, nichts Dümmeres tun als fossile Brennstoffe zu importieren."

Schnell umsetzbare Energiesparmassnahmen

Ein Rundgang durch Müllers Liegenschaft beweist, dass das Mitglied der national-rätlichen Wirtschaftskommission nicht Wasser predigt und Wein trinkt, sondern seine energetischen Anliegen auch in die Tat umsetzt. So weist die Gebäudehülle seiner 1985 erbauten Liegenschaft einen für die 80er-Jahre sensationellen Wärmedämmungswert von 0,3 W/m2K (Watt pro Quadratmeter Kelvin) auf. Philipp Müller: "Dies erreichten wir durch ein energieeffizientes Zweischalenmauerwerk. Bei den Fenstern sind Dreifachgläser eingesetzt worden.

Apropos Fenster. Philipp Müller: "Vielen Leuten ist es nicht bewusst, dass den Fenstern und den Storenkästen bei der Verbesserung der Energieeffizienz eine ganz entscheidende Rolle zukommt. Aus diesem Grund haben wir 1996 die dreifach Verglasten gegen neue Fenster ausgewechselt. Sie sind zwar nur zweifach-verglast, dafür sind die Zwischenräume mit einem schlecht wärmeleitenden Edelgas gefüllt." Resultat dieser Investition: Der Wärmeleitwert der Fenster hat sich von ehemals 1,9 W/m2K auf 0,9 W/m2K mehr als halbiert.

Geheizt wird das Haus durch eine moderne Low-NOx-Ölheizung. Müller: "Auch wenn die Ölheizung dem heutigen Stand der Technik entspricht, möchten wir sie in absehbarer Zeit gegen eine umweltfreundliche Erdsondenheizung austauschen. Es ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäss, das rare Gut Erdöl für die Gewinnung von Raumwärme zu verschwenden."

Banal, aber effizient: Bereits ein oder zwei Grad tiefere Raumtemperaturen senken den Energieverbrauch beträchtlich.

Und was macht jemand, der nicht zigtausend Franken für Solarpanels oder neue Fenster zur Verfügung hat und trotzdem Energie sparen möchte? Philipp Müller, kurz und knapp: "Der kauft sich im Einkaufszentrum für 50 Franken ein paar digitale Thermometer und hängt in jedem Zimmer eines auf. Bereits ein oder zwei Grad tiefere Raumtemperaturen senken den Energieverbrauch beträchtlich. Und es reicht allemal, wenn das Wohnzimmer auf 20 Grad geheizt wird und die Schlafzimmer 18 Grad warm sind."

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