Auf der Suche nach dem Frühling
„Ein paar mildwarme Tage sind gewesen“: So schrieb es der österreichische Volksdichter Peter Rosegger. Und genau so waren die ersten Märztage. Grund genug, sich auf die Suche nach dem Frühling zu machen. Kommst du mit? Ich möchte die Umgebung von Magden im Bezirk Rheinfelden erkunden und natürlich auf den „Sunnenberg“ steigen – mir gefällt dieser Name, und die Aussicht von dort oben soll grandios sein. Wer weiss – vielleicht reicht der Blick ja bis in den Frühling… Wie lang diese Wanderung dauert, möchtest Du wissen? Offen gestanden mag ich diese Frage nicht so sehr. Wir wollen uns doch nicht drängen lassen durch eine Zeitvorgabe. Lass uns den Tag geniessen! Immerhin dies: Es sind ungefähr 7 Kilometer Distanz und 300 Meter Höhendifferenz. Vielleicht steht uns der Sinn nach einer sportlichen Leistung, vielleicht nehmen wirs gemütlich und nutzen die Zeit zum Plaudern, und vielleicht setzen wir den ganzen Tag dafür ein, verweilen am einen oder andern Aussichtspunkt, studieren die Informationstafeln und lassen ganz bewusst die Zeit verstreichen.
Durch schöne Einfamilienhaus-Quartiere führt der Weg bergwärts. Wie unterschiedlich die Menschen doch wohnen, wie unterschiedlich sie ihre Gärten anlegen, wie unterschiedlich das ästhetische Empfinden hier zum Ausdruck kommt! Nun wenden wir uns scharf ostwärts, streifen die oberste Begrenzung der Magder Rebberge und wandern über das Gebiet „Galge“ (!) direkt auf den Aussichtsturm auf dem Sunnenberg zu, der sich nun schon in der Ferne deutlich abzeichnet. Eine scharfe, überraschend frische Bise verbläst alle Gedanken an den Frühling, und wir sind froh, den Schutz des Waldes zu erreichen. Hier treffen wir erstmals auf einen der zahlreichen Grenzsteine: Wir befinden uns genau auf der Kantonsgrenze Aargau/Baselland.
Erstaunlich viele Wanderer, Hundespaziergänger und vor allem Walker und Walkerinnen sind unterwegs. Alle haben sie einen freundlichen Gruss für uns, und einige bleiben einen Moment stehen und wechseln ein paar Worte mit uns. Begegnungen seien etwas vom Zentralsten und Wesentlichsten im Leben, hörte ich kürzlich jemanden sagen. Wir sind nur langsam unterwegs und haben darum Zeit für ein kurzes Schwätzchen. Auch den Schlussanstieg zum Aussichtsturm nehmen wir gemächlich – weshalb sollten wir eilen? Eine Tafel informiert, dass der Zutritt zum Turm an Sonn- und Feiertagen für Erwachsene 50 Rappen koste, an Werktagen dürfe man freiwillig einen Obolus entrichten. Die Treppen hinauf bis auf die rundum durch Fenster geschlossene Aussichtsplattform. Der Wind pfeift scharf. Aber die Aussicht ist wirklich fantastisch. Der Schwarzwald in der Ferne, die sanften Hügel des Fricktals und des Baselbiets, die sich in weiche Mulden duckenden Ortschaften, die unzähligen Obstbäume und natürlich die Wälder. Dort, baselwärts, ein Stück des Rheins; die Türme auf der Wasserflue, dem Strihen, dem Frickberg, der Kühlturm von Leibstadt, der Kuppelbau der Saline, und dort, gegen Süden, die Ruine Farnsburg. Das Herz öffnet sich.
Den Wanderweg-Markierungen folgend, geht es abwärts Richtung Maisprach. Da steht noch eine grosse Tafel mit Informationen zur Geschichte dieser Gegend im Grenzland. Weiter unten, am Waldrand, fällt uns schon wieder ein sorgfältig eingerichteter Picknickplatz auf, dieser in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Weiher. Familienfreundlich! Wie schön können es Kinder hier haben, wie viel gibt es da zu entdecken, zumal dort hinten noch zwei Hochsitze für Jäger nur darauf zu warten scheinen, von unternehmungslustigen Sprösslingen erklettert zu werden. Und nun überblicken wir die Basellandschäfter Ortschaft Maisprach. Schon von hier oben im Rebberg fallen uns viele ausnehmend schöne Gebäude auf. Mit Herrn Gubler machen wir einen kurzen Schwatz. Er verbrennt Zweige eines gefällten Zwetschgenbaums und erzählt uns dabei mit grosser innerer Beteiligung vieles über sein Dorf: über dessen Sehenswürdigkeiten, über Festivitäten und über Menschen und Beizen.
Es lohnt sich, diese Ortschaft nicht einfach zu durchqueren, sondern zu verweilen, das eine oder andere Strässchen und Gässchen zu wählen und die vielen schönen Häuser und Details mit den Augen eines Touristen zu betrachten. Eine Katze begrüsst uns mit lautem Miauen. Und dann sind wir beim Friedhof. Eine Übersichtstafel berichtet von den römischen Funden, die hier gemacht wurden, darunter eine kleine Badeanlage just dort, wo sich nun der Kirchhof befindet. Eine fast noch grössere Überraschung hat der Friedhof selber zu bieten. Wer hätte das vermutet: Hier in der 1000-Seelen-Gemeinde, wo gewiss traditionelle, alt hergebrachte Werte hoch gehalten werden, hatte man den Mut, den Dorffriedhof völlig neu zu gestalten, einem verblüffenden künstlerischen Gesamtkonzept folgend. Darin wird der Friedhof als Ort der Begegnung definiert, der nicht nur der Trauer, dem Schmerz und dem Gedenken Raum bietet, sondern ebenso dem Gespräch, der Musik, der Meditation, dem vielleicht inhaltsschweren, vielleicht aber auch „nur“ unbeschwerten Verweilen. Warum sollte dieser Ort der Verstorbenen verschlossen bleiben für die Freude und die Heiterkeit? Hätten sich die hier Beerdigten nicht mitgefreut? Es gibt östliche Völker, wo die Friedhöfe auch für ausgelassene familiäre Anlässe aufgesucht werden, für stundenlange Picknicks zum Beispiel, an denen man die Verstorbenen gleichsam teilhaben lässt. Was hältst Du davon?
Das Dorfrestaurant „zum Kloster“ hat heute geschlossen. Und so sparen wir halt unsern Appetit. Wir überqueren die Hauptstrasse und den Bach – „Buuserbach“ heisst er hier noch, weiter unten dann „Magdenerbach“ – und kehren auf dem Veloweg in unmittelbarer Nähe zum noch ziemlich natürlich fliessenden Gewässer zurück nach Magden. In der „Blume“ gibts Kalbsleberli und Rösti – mmmh!







