Stausee-Projekt beim Bad Schinznach
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gingen die Menschen daran, die Kraft des fliessenden Wassers zur Gewinnung von elektrischer Energie zu nutzen. Auch am Aare-Abschnitt zwischen Wildegg und Brugg war schon früh die Anlage eines Kraftwerks geplant.
Wasserkraftwerk: „streng konfidentiell“
Erste Hinweise finden sich in den Tageszeitungen von 1913. Der Erste Weltkrieg kam jedoch dazwischen, und erst in den Jahren ab 1929 wurde die Sache wieder konkret. Die Ingenieure arbeiteten eine ganze Reihe von Kraftwerk-Varianten aus, darunter die Anlage eines Stauwehrs in der Brugger Aareschlucht. Dieses hätte einen Rückstau der Aare und damit die Ausbildung eines grossen Stausees bewirkt, dem erhebliche Teile der Gemeindegebiete von Umiken, Villnachern und Schinznach-Dorf zum Opfer gefallen wären. Strassen, eine Bahnlinie, Flurwege, viel Landwirtschaftsland, Waldstücke und ein Teil des Bads Schinznach wären geflutet worden. So verwundert es nicht, dass die entsprechenden Schriften „konfidentiell“ oder gar „streng konfidentiell“ ausgetauscht wurden.
Landgemeinden wehren sich
In einer konsultativen Abstimmung im Mai 1931 sprachen sich 576 der stimmberechtigten Brugger für einen Stausee aus; 201 waren dagegen. Ein poetischer Aufruf, der damals im Brugger Tagblatt abgedruckt wurde, endet mit dem Zweizeiler „Ein grosses Werk ersteh’, hoch lebe Brugg am See.“ Doch die Landgemeinden, allen voran Villnachern, wehrten sich vehement gegen das Projekt, und es entflammte eine heftige öffentliche Diskussion, sogar mit persönlichen Beleidigungen.
Kraftwerk nimmt Betrieb auf
Dann kamen die Wirtschaftskrise und bald schon der Zweite Weltkrieg, und wieder wurde die Kraftwerkfrage auf die lange Bank geschoben. Nach dem Krieg ging es dann aber schnell. Von einem Stausee war nicht mehr die Rede. 1948 wurden die Pläne für ein Kanalprojekt mit dem Maschinenhaus in Villnachern aufgelegt. Die Bauarbeiten begannen bereits 1949. Und im Sommer 1953 nahm das Kraftwerk Villnachern seinen Betrieb auf. (pbe)




