Die Haute Société im Bad Schinznach

Seit dem 12. Juni 1864 und bis zum Ersten Weltkrieg brachte das Bad Schinznach allwöchentlich am Sonntag eine „Liste des Etrangers“ heraus, in der aufgeführt war, wer sich als Gast im „Grand Hotel Habsburg“ oder in der etwas bescheideneren „Pension Habsburg“ eingeschrieben hatte. Dabei waren neben den Namen auch noch der gesellschaftliche Titel und die Herkunft aufgelistet, selbstverständlich in vornehmer französischer Sprache.

Bad Schinznach: in guter Gesellschaft

Unter den Titeln finden sich Barone und Baronesses, Marquises, Colonels, Amiraux, Chevaliers, Comendatores, Conseillers, Doyens, Ducs, Earls, Generäle, Lords, Ministres, Sénateurs, Présidents und andere mehr. Ebenso interessant ist die Herkunft der Gäste. Sehr viele kamen aus Frankreich, etwa ein Viertel aus der Schweiz, und in grosser Zahl reisten sie auch aus Grossbritannien, Deutschland und Italien an. Doch auch Russland und die USA wurden immer wieder genannt. Unter den „Exoten“ sind Gäste etwa aus Kolumbien, Tunesien, Algerien, Ägypten und Südafrika zu nennen.

Mr. Stierlin de Schaffhouse
Mlle. Schirmer de St-Gall
Mad. Fontannaz et domestique de Lausanne
Mad. Zellweger, fils et domestique de Paris
Mad. Dupasquier avec famille et domestiques du Hâvre
Mlle. Culmann de Saar-Union
Mad la comtesse de Montaigu de Paris
Mad. Et Mlle. Tecklenberg de Bremen
Mad. Et Mlle. Jermoloff de St-Petersbourg
Madame la Princesse Galitzin et Mlle. sa fille de Russie

Armenbad: verkehrte Welt

In krassem Gegensatz dazu standen die Gäste des Armenbades. In einfachsten Unterkünften waren fast ausschliesslich Schweizer untergebracht, die sich einer sehr strengen Badeordnung unterziehen mussten, in der bei „unanständigem Benehmen“ sogar Haus- oder Bettarrest als Strafe vorgesehen waren. (pbe)

zurück zur Übersicht

Ihre Bewertung für diesen Artikel Rating: 3.0/5 (total: 75)

Drucken
Seite weiter empfehlen