"Es ist dringend nötig, dass wir das Klima in Ruhe lassen"

Der Aargauer Starkomiker Peach Weber zieht Energiebilanz und würde am liebsten zu jedem seiner zahlreichen Auftritte mit dem Velo anreisen. Der Mann aus Hägglingen über erneuerbare Energien und über menschliche Einfalt.

Peach Weber, Treibhauseffekt, Gletscherschmelze, Jahrhunderthochwasser: Haben solche Begriffe aus dem "Vokabular des Schreckens" im Repertoire eines Komikers überhaupt Platz?

Peach Weber: Aber sicher, die meisten Komiker sind helle Köpfe und die interessieren sich dafür, was in der Welt geschieht. Es ist ja nicht die Frage, wie wir das Klima in den Griff bekommen, es ist eher dringend nötig, dass wir das Klima in Ruhe lassen. Der Mensch will immer alles unter Kontrolle bringen und merkt nicht, dass er dafür viel zu einfältig ist.

Sie bezeichnen sich selbst als „1. Bio-Komiker der Schweiz“ und geben als Lieblingsauto das Velo an. Die Umwelt liegt Ihnen offenbar ganz schwer am Herzen?

Leider ist dieser Job nicht biologisch wertvoll zu erledigen. Die Auftritte finden in der ganzen Schweiz statt, man ist mit viel Gepäck unterwegs, da ist man leider auf das Auto angewiesen, man braucht Strom für Ton und Licht, da kommt man nicht dran vorbei. Es geht aber auch eher darum, dass wir als Gemeinschaft endlich die Energie intelligenter herstellen sollten. Der Mensch weiss seit Jahrzehnten, dass er das Öl ersetzen muss, er wird es erst tun, wenn der letzte Tropfen verbraucht ist. Und so lange müssen wir uns auch von Trotteln wie Ghadhafi auf der Nase rumtanzen lassen.

Wie sieht denn Ihre ganz persönliche Energiebilanz aus?

Eigentlich hundsmiserabel, um ehrlich zu sein. Einzige dürftige Entschuldigung: Ich bin aufgewachsen in der Stimmung „Der Mensch fliegt zum Mond und nutzt jetzt die Atomkraft“. Im Nachhinein eine lächerliche Fehleinschätzung, die Atomkraft schiebt das Problem nur etwas hinaus, löst es aber nicht.

Wie halten Sie es mit Energiesparen in den eigenen vier Wänden?

Ich versuche schon, zu machen, was geht, Temperatur nicht zu hoch stellen, recyceln. Da bin ich wirklich Spitze. Ich kann nichts wegwerfen, was man auf die Sammelstelle bringen könnte. Und ich rege mich masslos auf, dass es keine richtige Sammelstelle für die Millionen CD’s gibt, die jährlich im Müll landen, "gopfriedschtutz"!

Als Vater einer 14-jährigen Tochter: Wie schärfen Sie deren Verständnis für Umweltfragen?

Ich bringe ihr bei, dass man Rohstoffe nicht verschwenden soll, aber ich glaube, dieses Thema bearbeitet die Schule sehr gut. Meine Hoffnung sind die Jungen, sie sind der Quell für Ideen, Lösungen. Ich glaube an sie!

Zu guter - oder schlechter - Letzt: Macht die Schweiz genug im Bereich erneuerbare Energien? Respektive wo besteht der grösste Nachholbedarf?


Die Schweiz macht es so, wie alle anderen Länder auch. Solange es noch Öl hat, ist es noch nicht so dringend. Solange noch kein AKW bei uns in den Boden schmilzt, weil ein Eichhörnchen eine Leitung anknabbert, so lange machen wir nur Kosmetik. Langsam dämmert es uns, dass wir als einzige Chance haben, Dinge zu bauen, die schon grundsätzlich weniger Energie brauchen. Aber eine Dämmerung kann lange dauern.

Weitere Infos: www.peachweber.ch

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